Theodor-Haecker-Preisträger Philip Obaji zu Gast am THG



Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Fake News


Was hat die Arbeit eines afrikanischen Investigativ-Journalisten mit deutschen Jugendlichen zu tun? Was zunächst wie eine theoretische Frage klingt, wurde in der Aula des THG mit Leben gefüllt. Die Antwort: sehr viel. Das wurde im Gespräch mit Philip Obaji jr. aus Nigeria schnell deutlich. Der diesjährige Träger des Theodor-Haecker-Preises war in der Aula des THG zu Gast und sprach über seine zum Teil lebensgefährliche Arbeit und seinen Einsatz für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Demokratie. Eine beeindruckende Veranstaltung.

 

Es ist eine schöne Tradition, dass die Preisträger*innen mit den Schüler*innen des THG ins Gespräch kommen. Die Stadt Esslingen vergibt den Theodor-Haecker-Preis, einen Menschenrechts-Preis für politischen Mut, benannt nach einem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, alle drei Jahre. Wie immer führten die Schüler*innen selbst durch das Gespräch vor der K1 und einer Religions-Klasse aus Stufe 9. Nach einer kurzen Vorstellung des Journalisten moderierten Rahel Kersten und Safwan Malik aus der K1 auf Englisch das Gespräch und fokussierten neben seiner beeindruckenden Arbeit auch seine Person, sein Leben und seine Motivation, bevor das Plenum die Möglichkeit bekam, weitere Fragen zu stellen.

 

Und was hat die Arbeit von Philip Obaji Jr. in Zentralafrika und Mali nun mit den THG-Schüler*innen zu tun? Sein Ziel ist es, den Opfern der Gewalt, vielen Kindern und Jugendlichen, eine Stimme zu geben und über die politischen Zustände, den russischen Einfluss in den afrikanischen Staaten zu schreiben. Er selbst erlebt dadurch viel Gewalt und Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit. Und er hat dennoch nie darüber nachgedacht, aufzuhören. Die Kinder und Jugendlichen dort haben – genau wie Kinder und Jugendliche in Deutschland – Hoffnung auf eine gute Zukunft. Und dafür trage er die Verantwortung. Genau diese Verantwortung hätten auch wir, aber auf einer anderen Ebene. Es sei unsere Aufgabe, die Meinungs- und Pressefreiheit als großes Gut demokratischer Systeme in der Europäischen Union zu bewahren. Propaganda und Desinformation auf Social Media bergen die Gefahr, die Demokratie auszuhöhlen: “It is important to let you know, you have to be watchful on social media. It affects you. If you see controversial information, google sources to find what is true and better be careful what you consume. You have the power to change that!”, sagte Philip Obaji.

 

Viele persönliche Geschichten, gefährliche Erlebnisse im Krieg, politische und ökonomische Zusammenhänge in Bezug auf die Lage in Zentralafrika und Mali – und seine Vorliebe für Fußball (und den FC Bayern München) – umrahmten das Gespräch in eindrucksvoller Weise. Neben seinem Instagram-Namen wurde Philip Obaji von den Schüler*innen dazu befragt, was ihm helfe, psychisch und aber auch physisch zu überleben, wie er den Kontakt zu den Menschen in den Kriegsgebieten aufnehme und ob die Arbeit als Journalist schon immer sein Traumberuf gewesen sei.

 

Wenn er sich auf der ganzen Welt eine Person aussuchen könnte, die er gerne treffen würde, wären es immer wieder junge Menschen, die die Zukunft ihres Landes sind – und damit genau so wichtig wie die großen Politiker*innen. Philip Obaji freute sich sehr, an unserer Schule zu sein und mit Schüler*innen zu sprechen, die „durch eine sehr gute schulische Ausbildung ihre Welt und ihr Leben besser machen und ihre Träume leben wollen“.

 

Ein herzliches Dankeschön geht an Rahel Kersten und Safwan Malik für die Moderation sowie Herrn Wennagel und Herrn Roos für die Organisation und Marian Klotz für die technische Begleitung. Philip Obaji Jr. erhielt einen Tag später im Neckar Forum in Esslingen den internationalen Menschenrechtspreis für politischen Mut, reiste im Anschluss direkt weiter nach Frankreich, dann nach Nigeria, Österreich, … und teilt dadurch nicht nur online seine Recherchen zu Menschenrechten, Meinungsfreiheit und Fake News.

 

Text: Katrin Weiß

Fotos: Jürgen Roos